raketenmänner

punk aus leverkusen


Nostalgischer Ausflug in die musikalische Vergangenheit

Der Opladener Musiker und Songschreiber Marco Isermann verlässt die Solopfade und entdeckt den Punk für sich. Seine neue Band heißt "Die Raketenmänner". In den neuen Songs geht es unter anderem um die große und kleine Politik.  Von

 

Opladen. Er macht jetzt auf Punk. Nicht mit Iro auf dem Kopf und Nieten an der Lederjacke. Sondern musikalisch. „Eine Punkband bietet die Gelegenheit, mehr „Wir“- und weniger „Ich“-Texte ins Repertoire zu nehmen“, sagt Marco Isermann. Soll heißen: Die Musik ist schlagkräftiger geworden. Mehr „Faust raus“ als „Ich denke in Ruhe nach“. Und: Er müsse nicht mehr alles so ironisch sehen, wie früher, als er noch solo in Sachen Liedermacherei unterwegs war. „Punk“, sagt Marco Isermann, „ist schließlich geradeheraus.“ Dabei lächelt er.

 

Frontmann an Gitarre und Mikro

 

Natürlich lächelt er. Denn der Opladener Musiker und Songschreiber, der im normalen Leben Lehrer am Landrat-Lucas-Gymnasium ist und sich auf den Bühnen der Stadt bereits viele Freunde und Fans machte, hat die Ironie selbstverständlich nicht aufgegeben. Das fängt doch schon beim Namen seiner neuen Band, seiner Punkband, an: sie heißt „Die Raketenmänner“. Die Vorliebe für den Witz des Wortes klingt da ja schon durch. Und auch die Texte der neuen Songs lassen erahnen, in welche Richtung sich dieses neue Projekt des Mannes, der solo einst so wunderbar davon sang, dass das Schicksal kleinbürgerlich sei, entwickelt: „In meinem Garten ist eine Pershing-2-Rakete stationiert“. „Lass uns Klosteine lutschen“. „Die Apotheose der Bedeutungslosigkeit“. „Zufriedene Schweine“. „Putins Panzer rollen wieder“.

Es geht um Mikro- und Makrokosmos. Um große und kleine Politik. Um das, was die eigenen Gedanken und die der Gesellschaft bewegt. Grob gesagt. Zu den von Marco Isermann verfassten Texten knüppeln die Raketenmänner – die neben dem Frontmann an Gitarre und Mikro auch aus den ehemaligen Isermann-Bühnenbegleitern Jan und Achim Stommel (Schlagzeug und Bass) bestehen – nicht nur durch die Songs. Sie spielen gekonnt mit Versatzstücken all dessen, was klassischerweise in die Nähe des Punkrocks gerückt wird: Ska, Indierock – und ein bisschen Krach. Und selbstverständlich gehört zum neuen „Wir“-Gefühl auch ein Song, der mit dem eigenen Anspruch und den eigenen Fähigkeiten als Musiker spielt: „Das muss reichen“. Allen Unkenrufen zum Trotz ist der Ironie pur. Schließlich spielt kein anderes Genre derart extrem mit den eigenen Unzulänglichkeiten wie der Punk. Auch und vor allem, wenn diese Unzulänglichkeiten gar nicht vorhanden sind, wie im Falle der Raketenmänner, die allesamt gestandene Musiker sind und für die ihr Punkrock eher ein nostalgischer Ausflug in die eigene Vergangenheit ist, in der sie als pubertierende Teenager mit dieser Musik anfingen. Aber als Punk darf man eben nicht perfekt sein. Dann würde die „Credibility“, die Glaubwürdigkeit, fehlen.

 

Tonträger sind geplant

 

In „Das muss reichen“ singt Isermann „Verdammt! Schon wieder nicht geübt. So werden wir niemals reich und berühmt!“ Und es ist irgendwie kein Wunder, dass die Raketenmänner beim Gespräch im Leichlinger Proberaum ausgerechnet diesen Song anstimmen, um kurz mal in ihren Raketenkosmos einzuführen. Er ist so eine Art Band-Hymne: Er ist kurz und knackig. Und er ist eingängig. „Das muss reichen“ könnte sogar als erste Single durchgehen. Denn: Tonträger sind geplant. Im Proberaum steht eine kleine, übersichtliche Studioausrüstung. „Und hier nehmen wir gerade schon ein paar Sachen auf“, sagt Jan Stommel. Für eine EP – eine „Extended Play“-Platte, die knapp die Hälfte an Stücken eines Albums umfasst – sollte das schon reichen. Zumal Marco Isermann und Co. bereits mehr als ein Dutzend Raketenmänner-Lieder im Repertoire haben.

Warum sie sich ausgerechnet „Die Raketenmänner“ nannten, ist klar: „Wir sind Männer wie Raketen“ steht auf der Internetseite der Band.

Das gelte vor allem für die Bühne, wo demnächst erstmals die Raketenshow steigen wird mit allem Drum und Dran. „Wir werden das Image, das so ein Name mit sich bringt, ordentlich auskosten“, kündigt Marco Isermann an. Und er kündigt auch an, was das Ziel der Band ist: „Einmal im Opladener Kulturausbesserungswerk spielen.“ In der großen Halle, nicht im Café. Denn: „Das ist zu klein. Das würden wir vielleicht zu schnell voll bekommen und müssten uns zu schnell auflösen, weil wir unser Ziel erreicht hätten.“ Und dabei lacht er wieder, der Marco Isermann. Wie gesagt: Ganz ohne Ironie kommt er eben nicht aus.

 

Leverkusener Anzeiger, 20.01.2015 (Foto: Britta Berg)

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